Fossilfreie Mobilität – Was tun, wenn die Steckdose leer ist?

21. Juli 2025
Christian Hanke, German eFuel one, Lukas Kilian, MdL, CDU Schleswig-Holstein, Götz Tintelnot, Geschäftsführer Car Conversion, Prof. Dr. Martin Willner, HAW Hamburg, Prof. Dr. Jörg Knieling, HCU Hamburg, Mitglied des Klimabeirats Hamburg, Antje Müller-Möller MdHB, Abgeordnete für den Wahlkreis Altona-West.

Veranstaltung der CDU Blankenese am 15. Juli 2025 im Markthaus Blankenese

Die Energiewende im Verkehrssektor ist eine der größten Herausforderungen auf dem Weg zu einem klimaneutralen Deutschland. Gleichzeitig bietet sie enorme wirtschaftliche Chancen – für innovative Unternehmen, den Exportstandort Deutschland und technologische Souveränität. Wie diese Transformation gelingen kann, diskutierte die CDU Blankenese am 15. Juli 2025 mit einem hochkarätig besetzten Podium aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Warum uns noch 10 Jahre bleiben – die Klimauhr tickt

Ein zentrales Thema der Veranstaltung war die drängende Zeitdimension des Klimaschutzes. Der Weltklimarat (IPCC) hat in seinem Sachstandsbericht klargemacht:
Wenn wir die globale Erderwärmung mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 % auf 1,5 Grad Celsius begrenzen wollen – wie es das Pariser Klimaabkommen vorsieht – dann darf die Menschheit ab heute noch rund 200 Gigatonnen CO₂ ausstoßen. Das ist unser verbleibendes globales CO₂-Restbudget.

Doch: Aktuell stößt die Weltgemeinschaft pro Jahr ca. 40 Gigatonnen CO₂ aus. Wenn sich daran nichts ändert, wäre dieses Budget in etwa fünf Jahren aufgebraucht. Um noch Spielraum für Unsicherheiten, politische Trägheit und realistische Transformationspfade zu lassen, rechnet die Klimawissenschaft deshalb mit einem Handlungszeitraum von maximal zehn Jahren, um die Wende zu schaffen.

Was bedeutet das konkret?

  1. Klimaschutz ist kein langfristiges Projekt mehr – wir müssen jetzt handeln.
  2. Jeder Tag ohne CO₂-Minderung macht den Pfad zur Klimaneutralität steiler, teurer und riskanter.
  3. Technologien, die sofort eingesetzt werden können, sind von größter Bedeutung – auch wenn sie im Wirkungsgrad nicht optimal erscheinen.

In der Diskussion wurde deshalb deutlich: Es reicht nicht, allein auf neue Stromnetze, Ladeinfrastruktur oder Wärmepumpen zu warten. Wir brauchen Lösungen, die heute existieren, global skalierbar sind und in bestehende Systeme passen – wie synthetische Kraftstoffe.

Strom allein reicht nicht – aber regenerative Kraftstoffe könnten entscheidend sein

Prof. Dr. Thomas Willner (HAW Hamburg) und Christian Hanke (German eFuel One) machten in ihren Impulsvorträgen deutlich: Ein rein elektrischer Verkehrssektor ist – global betrachtet – in der Kürze der verbleibenden Zeit nicht umsetzbar. 98 % aller Fahrzeuge weltweit fahren heute mit Verbrennungsmotor, und die Infrastruktur ist entsprechend ausgelegt.

Die Lösung:  regenerative Kraftstoffe, die mithilfe von Strom aus Wind- oder Sonnenenergie, aus Altfetten, Abfällen oder Altplastik produziert werden. Sie können in bestehenden Motoren und Heizsystemen genutzt werden – ohne teuren Umbau, ohne neuen Ressourcenverbrauch, ohne neue Infrastruktur.

Regenerative Kraftstoffe: Ineffizient – und trotzdem unverzichtbar?

Oft wird regenerativen Kraftstoffen mangelnde Effizienz vorgeworfen: Strom wird erzeugt, in synthetischen Kraftstoff umgewandelt, dann verbrannt – das scheint gegenüber der direkten Nutzung von Strom als Antriebsenergie aufwendig. Doch diese Betrachtung greift zu kurz.

Christian Hanke erklärte: „Ja, eFuels sind im Einzelfall weniger effizient – aber sie sind in der Fläche verfügbar, speicherbar und transportierbar. Sie nutzen bestehende Infrastrukturen und ermöglichen Klimaschutz dort, wo Strom nicht verfügbar oder praktikabel ist.“

Prof. Willner ergänzte: „Wirkungsgrad ist nicht gleich Bedeutung. Insbesondere weil wir viel überschüssige Energie an Orten haben, wo wir sie nicht gebrauchen. Entscheidend ist, wie schnell wir global CO₂ vermeiden können – nicht, was im Labor am effizientesten ist.“

Wirtschaftliche Chance für Deutschland – statt Abhängigkeit vom fossilen Import

Deutschland importiert derzeit rund 70 % seiner gesamten Energie in Form fossiler Moleküle. Das betrifft Industrie, Stromerzeugung, Heizen und Mobilität. Regenerative Kraftstoffe könnten diese ersetzen – nicht nur als Klimaschutzmaßnahme, sondern auch als wirtschaftliche Chance.

Exportchancen: Die Technologien zur Herstellung regenerativer Moleküle könnten ein Exportschlager „Made in Germany“ werden – vergleichbar wie einst die Solarindustrie.

Innovationsstandort: Unternehmen wie German eFuel One, Car Conversion GmbH und viele weitere stehen bereit, um Know-how, Maschinen und industrielle Verfahren weltweit zu liefern.

Lukas Kilian, MdL, Generalsekretär der CDU Schleswig-Holstein, betonte: „Wir müssen technologieoffen bleiben – nicht nur, weil es klimapolitisch notwendig ist, sondern auch, weil es ökonomisch klug ist. Deutschland kann hier Vorreiter sein.“

Fazit: Technologieoffenheit statt ideologischer Scheuklappen

Die CDU Blankenese machte an diesem Abend deutlich: Klimaschutz braucht Tempo, Pragmatismus – und einen breiten Instrumentenkasten. E-Mobilität und regenerative Kraftstoffe dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern müssen gemeinsam Teil der Lösung sein. Zudem bieten sie Chancen jenseits der Mobilität, nämlich in Industrie und beim Heizen.

Christian Hanke brachte es auf den Punkt: „Wir brauchen keine Scheuklappen, sondern faire Rahmenbedingungen für alle klimafreundlichen Lösungen.“

Der Ortsverband Blankenese will das Thema nun in die Hamburgische Bürgerschaft tragen. Markus Kranig, energiepolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, signalisierte schon Unterstützung.

Bildquelle: Antje Müller-Möller.